letzte Änderung: 01.07.2011         Wackersdorfer Braunkohlebergbau 1915 - 1928 Geschichte und Entwicklung des Wackersdorfer Braunkohlen-Bergbaus vor Gründung der BBI 1915 Kriegsgefangene treten an Stelle der eingerückten BBI-Bergleute. 1916/17 Einsatz eines dampfbetriebenen Eintor-Tiefbaggers der Firma Lübeck zur Abraumbewegung. Der Abraum wird auf einer provisorischen Außen-Kippe unmittelbar südlich der Brikettfabrik auf kohlefreiem Terrain zu einer Hochhalde aufgekippt. 1917 Belegschaft: 260 Deutsche und 470 Kriegsgefangene. Trotz verstärkter Belegschaft nur 660.000 t/a Kohleförderung und Herstellung von 126.000 t/a Brikett. Bau des Betriebsbüro-Hauses gegenüber vom Verwaltungs-Hauptbüro. Verbot von Neubauten auf dem abgegrenzten kohleführenden Gebiet des alten Dorfbereichs Wackersdorf. 1. Juni übernimmt Betr.-Dir. Max Dehne die techn. Betriebsleitung. 1917/18  BBI prägt achteckige Privat Notgeldmünzen aus Zink als Kleingeldersatz für das vom Staat eingezogene Edelmetall-Hartgeld. 1918 Bau einer neuen Kohle-Separation (Sortier- u. Verladeanlage) ca.  200 m nordöstlich der Brikettfabrik am alten Weg nach Wackersdorf (mit Gleisverbindung zum Werk). Sortieranlage bestückt mit 3 Brecherwerken und 4 selbsttätigen Kreiselwippen. Aussiebung der Rohbraunkohle in verschiedene Korngrößen. Rohkohlen-Transport vom Tagebau über Kettenbahnanlage mit 2 Kettenbahn-Brücken bis zur Separation, Kettenbahnwagen-Inhalt = 0,8 cbm. Kettenbahngleisspur = 500 mm breit. bis 1919 Insgesamt 178 BBI-Bergleute im Krieg, davon 32 gefallen. bis 1919 In den Nachkriegsjahren wird BBI ein bedeutender Kohleproduzent, die Belegschaft wird stark angehoben. Der Kohlenstoß (Abbaufront) von mehreren 100 Metern Länge und 20 m Höhe erreicht die nördliche Grenze der "Heselbacher Mulde". 1920 Das gesamte Aktienkapital der BBI wird von den Ruttgers-Werken, Berlin übernommen. Neben "Südfeld" und "Alter Tagebau" gleichzeitiger Abbaubeginn Zentralfeld. Für erstmalige Versuche der Unterflöz-Gewinnung südöstlich der Brikettfabrik wird zur Abraum/Ton-Bewegung der Parallelschnitt-Bagger "Jakob" angeschafft. Zur Kohlegewinnung wird der Taatz-Tiefbagger eingesetzt. Bergarbeiter-Unruhen in Wackersdorf; Regensburger Reichswehr rückt ein, es wird Belagerungszustand verhängt. 1920/22 Bau einer weiteren Arbeiter/Beamtenkolonnie in Neu-Wackersdorf-West sowie BBI-Beamten-Wohnhäuser nordwestl. vom Werk Wackersdorf. In Schwandorf Bau der Beamtenkolonne und Ledigenheim in der Rothlindenhöhe, die Krieger-Gedächtnis-Kapelle St. Barbara, sowie Beamten-Kasino mit Kegelbahn (daneben die Autohalle mit Chauffeurwohnung) 1921 Das Aktienkapital erreicht die Höhe von 7,2 Millionen Mark. Oskar von Miller gründet die "Bayernwerk AG" zum Aufbau eines bayer. Verbundnetzes von mehreren Kraftwerkstandorten. 1922 Erhöhung des Aktienkapitals auf 24 Millionen Mark. BBI hat bereits 1150 Mitarbeiter. Erweiterung des Verwaltungs-Hauptbüros zur endgültigen Größe mit Werks Kantine, Kegelbahn und Lohnbüro- Anbau (Lohnbüro wird später als Markscheiderei genutzt). Die Förderung steigt auf ca. 1 Million t Rohkohle, die Briketterzeu-gung steigt auf 138.000 t/a. Gründung einer Brennstoff-Vergasungs-GmbH, Erste Versuche, die Rohbraunkohle zu vergasen, nach jahrelangen Arbeiten jedoch Abbruch wegen Explosionen 1923 Die Kohlefront ist bereits 500 m lang. Flözmächtigkeit: 20 m. Dann tritt Inflation ein und starker Rückgang der Industrie. Förderung wird auf ca. 500.000 t/a gedrosselt. Geheimrat Oskar Kösters stiftet dem Turnverein "Glückauf" eine Turnhalle mit modernster Einrichtung. Die Geldentwertung schreitet beängstigend fort, BBI druckt eigene Notgeldscheine (hergestellt in der Münchener Wertpapierdruckerei) Ein BBI-Arbeiter verdient täglich 5 Billion Mark; ein Pfund Brot kostet 4 Billionen Mark. Im November Währungsreform; 1 Billion = 1 Rentenmark. 1923/24 Erste Überlegung zur Umsiedlung der Ortschaft Wackersdorf. 1924 Weiterer Rückgang des Kohlenabsatzes nach der Währungsstabilisierung. Errichtung der Werksklinik; Niederbronner Ordensschwestern übernehmen die ambulante Krankenpflege der BBI- Belegschaft. 1925 Förderung wieder auf Vorkriegsstand ca. 500 000 t/a, langsame Betriebserholung. Ausbruch eines Streiks, viele Arbeiter werden arbeitslos. Erste große Rutschung des gesamten Kohlenstoßes auf 200 m Länge; verursacht durch vernachlässigte u. stehen gelassene Böschungsrandzonen der Flügelpartien. Kettenbahnstrasse muss verlegt werden. 1926 Abschluss eines Kohle-Liefervertrages mit "BayernwerkAG". 11. Juli: schwere Unwetter, Fabrikgelände 30 cm. unter Wasser, in der Grube steht Wasser stellenweise bis zu 14 m hoch, Geheimrat Oskar Kösters erhält die Ehrenbürgerrechte von Wackersdorf. 1927 Ankauf und Einsatz eines Doppelportal-Eimerkettenbaggers (D 3). Der Taatzbagger wird durch aufgehängtes Transportband zum Förderband-Brückengerät umgebaut. Die Abraum-Firma Döring & Lehrmann tritt in Konkurs; der Vertrag mit BBI wird liquidiert. BBI übernimmt die Abraumbewegung. Zwischen-Bilanz: seit BBI-Beginn bis Ende des Jahres 1927 insgesamt 12 Millionen Tonnen Kohle gefördert (vorwiegend Oberflözkohle), Geheimrat Oskar Kösters verstorben, die Barbarakapelle Schwandorf wird seine letzte Ruhestätte. Bergassessor Hermann Everding wird alleiniger BBI-Vorstand. Gründung des Knappenverein-Chores und Kauf einer Barbara-Statue 1928 Die Jahresförderung erholt sich weiter: 450 000 t/a Kohle und 700.000 cbm Abraumbewegung Ankauf eines Einportal-Eimerkettenbaggers (D 1) für Gleisbetrieb. Eimerkettenbagger auch als Absetzer verwendbar. Kombinierter Gewinnungs-u. Förderbetrieb mit kleinem Eimerkettenbagger "Jakob" (85 l Eimerinhalt) der Firma Taatz zur Kohlegewinnung, dazu Brückenband zur Abforderung mit Innenverkippung der Tonzwischenmittel und Sande auf dem Liegenden im Zentralfeld. Baubeschluss für Kraftwerk Schwandorf mit Standort bei Dachelhofen an der Naab, (nicht in Wackersdorf wie 1906 geplant). Die Bayernwerk AG erwirbt die Aktienmehrheit der BBI von den Rütgerswerken. BBI wird Tochtergesellschaft der Bayernwerk AG. nächste Seite zurückblättern Seite 3 von 13 Seite 3 von 13